Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben entschieden:
Zum Stück
400 Jahre nach ihrem Bühnendebüt treten Shakespeares Othello und Jago erneut ins Rampenlicht – der schwarze Feldherr der venezianischen Armee und sein neidischer Fähnrich sind diesmal Rockstars und haben ihre Band mitgebracht: „Shabani & the Broken Flowers“. Die Sprache ist taufrisch aus dem Jahre 2009. Die griffigen Songtexte fangen Gedanken und Emotionen der Figuren ein und verwerten sie in derben Rocksongs, gespickt mit Funk, Soul und HipHop.
Patrick Gusset, Urheber des Projekts „Othello“ und verantwortlich für Songtexte und Musik, fusioniert den klassischen dramatischen Konflikt mit der Frage nach Identität und Identifikation. Er macht aus Jago Othellos Alter Ego, das Teufelchen in Othellos Kopf, das ihn nicht ruhen lässt bei dem verzweifelten Versuch, im Spannungsfeld zwischen eigenen Ansprüchen und gesellschaftlichen Bedingungen, Herz und Hirn, ein Selbstbild zu entwickeln und zu erhalten. „Ich bin nicht, was ich bin“ – Jagos Satz aus der ersten Szene des Dramas formuliert das zentrale Motiv dieses zeitgenössischen Popdramas: Wer ist hier eigentlich wer? Wo spricht (bzw.: singt) Othello, wann hat Jago das Mikro in der Hand? Ein Spiel mit dem Identitätenhopping und der Möglichkeit, sich selber zu erfinden, zu definieren: Wer man sein will, wer man ist und wie man dazu wird. „Ich bin schwarz, mein Herz ist weiss“, sprach Othello einst – doch hier ist nicht einmal das mehr sicher.
Konzept, Gesamtleitung, Text und Musik: Patrick Gusset
Regie und Video: Laurent Gröflin, Patrick Gusset
Bühne, Ausstattung: Chasper Bertschinger
Dramaturgische Begleitung: Christian Hansen
Schauspiel, Leadstimme: Patrick Gusset und Shabani
MusikerInnen: Fanny Anderegg (Backing-Vocal), Vincent Membrez (Rhodes, Keys),
Simon Rupp (Gitarre), Lionel Gafner (Bass), Fred Bürki (Drums)
Tontechnik: Julien Fehlmann
Produktionsleitung: Patrick Gusset
Basellandschaftliche Zeitung, 11. Sept. 2009
Antrieb, Kern und Herz der Aufführung ist Patrick Gusset selbst, der schweizerisch-jamaikanische Musiker und Schauspieler und sein Problem mit der Indentität, das sehr konkret ist. Gusset ist dabei Othello und Jago zugleich, und fragt sich unablässig, was er wäre, hätte er eine andere Haut. Originell und sprechend sind die Bühnenmittel eingesetzt; die Videoeinspielungen und musikalischen Nummern antworten den Spielpassagen, vertiefen sie, und sind doch stark und berührend wie die Aufführung durch ihren Protagonisten. Gusset ist ihr ebenso wirbliges wie nachdenkliches Zentrum, ein wunderbarer Künstler, glaubhaft, präsent bis in die Fingerspitzen.