Feedback TREIBSTOFF 07 – Aussicht TREIBSTOFF 09
1. Allgemein
1.1 Die Programmgruppe überprüfte in einer kritischen Reflexion die gemeinsame Unternehmung TREIBSTOFF 07. Das Feedback gibt gegenüber dem Fachausschuss Theater & Tanz BS/BL, den Sponsoren, der Öffentlichkeit, den Gruppen sowie den Medien Auskunft und Rechenschaft über Verlauf und Auswirkung von TREIBSTOFF 07 und leitet notwendige und sinnvolle Kurskorrekturen für die 4. Auflage von TREIBSTOFF 09 ein.
1.2 Die individuellen Rückmeldungen innerhalb und ausserhalb der Programmgruppe zeichnen ein positives Bild von TREIBSTOFF 07. Die grundsätzliche Zielsetzung der „Plattform“-Initiative stuft man – mehr noch als bei den vergangenen zwei Ausgaben von TREIBSTOFF – als erreicht ein. Die Aktivitäten der einzelnen Gruppen und ihrer Mitglieder waren, was Intensität und Resultat angeht, naturgemäss unterschiedlich; die inhaltlichen, formalen sowie personellen Belange können in Zukunft noch bewusster genutzt und gefördert werden.
Die Programmgruppe ist überzeugt, dass sich nach drei TREIBSTOFF-Ausgaben eine Fortsetzung dieser Plattform aufdrängt, um die angebahnte Nachhaltigkeit zu konsolidieren.
1.3 Dem Geschäftsleiter Fredy Heller wird Kompetenz und Effektivität bescheinigt.
2. Zusammenarbeit der Programmgruppe
2.1 Die Zusammenarbeit unter den sechs Mitgliedern und die Arbeitsabläufe waren sinnvoll und effektiv. Die Arbeitsaufteilung, die Aufgaben und die Kompetenzen können für die Auflage 2009 aufgrund der Erfahrungen noch klarer strukturiert und personell abgesprochen werden.
2.2 Die Zusammenarbeit zwischen dem Projektleiter Christoph Meury und dem Geschäftsführer Fredy Heller war sehr effektiv; die beiden trafen sich zur gemeinsamen Absprache und Planung ausserhalb der Programmgruppe mehr als ein Dutzend Mal.
3. Zum Programm: Vorarbeiten / Ausschreibung / Auswahl
3.1 Das beschleunigte Auswahlverfahren für die Ausgabe 2007 hat sich sehr bewährt: Der Ausschreibungstext wurde ab Spätsommer 2006 zur Veröffentlichung freigegeben (> Behörden, Institutionen, Institute/ Schulen/ Medien/ interessierte Kreise); in der ProgrammZeitung erschien er als Inserat in der Juli/August-Ausgabe.
3.2 Die Abgabe der Projekteingaben wurde auf Ende November 2006 angesetzt, damit genügend Zeit für Rücksprachen, Visionierungen und Einholen von Zusatzinformationen blieb. Nach einer ersten Sichtung der 27 Eingaben wurden elf Gruppen resp. deren VertreterInnen zu Gesprächen eingeladen. Nach diesen, zwei Halbtage dauernden Besprechungen wurden schliesslich acht Gruppen (sieben für Theaterproduktionen, eine für die Rauminstallation im raum33) für die Teilnahme bei TREIBSTOFF 07 ausgewählt.
Ende Januar 2007 gingen die definitiven Zusagen an diese acht Gruppierungen; so blieb diesen genügend Zeit für ihre internen Abklärungen und die entsprechenden Vorarbeiten.
Für die Ausgabe 09 ist vorgesehen, interessierte Kreise (> Schauspielschulen, Institutionen, Verbände) im Vorfeld noch gezielter anzugehen und anzusprechen, um diese über die Plattform TREIBSTOFF zu informieren und sie so für eine Teilnahme zu interessieren.
3.3 Als bedeutungsvoll wird die Tatsache angesehen, dass die Mitglieder der Programmgruppe für Auswahl und Durchführung der Theaterprojekte zuständig sind; das garantiert einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Projekten.
4. Die Theaterproduktionen
4.1 Einleitend ist festzuhalten, dass bei den sich für TREIBSTOFF 07 zusammengefundenen Gruppen gegen 80 direkt beteiligte Theaterschaffende in allen Bereichen und Sparten involviert waren.
Die sieben Produktionen werden insgesamt als sehr gute Auswahl und als vielseitiger, breit gefächerter, bemerkenswerter Querschnitt der jungen Theaterszene eingestuft. Dabei wird die Mischung aus jungen/neuen und in gewissem Sinne erfahrenen Theaterschaffenden als sinnvoll und belebend eingeschätzt. TREIBSTOFF 07 wird als die bislang interessanteste Ausgabe taxiert.
Die Rauminstallation im raum33 wird als Programm-Bereicherung angesehen.
Die Erfahrung aus TREIBSTOFF 04 und 05 (> exakter auswählen und nachfragen) hat sich positiv ausgewirkt, kann aber für die nächste Ausgabe 09 durch inhaltliche/ zeitliche Vorgaben noch intensiviert werden.
4.2 Der „Basler Bezug“ war in der Ausgabe 04 und 05 noch zu wenig deutlich spürbar. Die Programmgruppe stellt fest, dass dieser in der Ausgabe 07 von der Personenzahl her nicht gewichtiger, jedoch von der Ausstrahlung her effektiver und ausgeprägter ausgefallen ist (beispielsweise auch durch den Einbezug von Spielstätten ausserhalb der drei Bühnen); die zwei TREIBSTOFF-Ausgaben 04 und 05 haben das Bewusstsein bei den Theaterschaffenden und der Öffentlichkeit in der Region geschärft und die Ausgabe 07 hat die Bedeutung der freien Theaterszene in Basel und in der Region gesteigert.
4.3 Die Güte der Produktionen wird von der Programmgruppe entsprechend der individuellen Vorlieben unterschiedlich, aber grundsätzlich als erfreulich eingestuft. Einigkeit besteht darin, dass die meisten Produktionen ein hohes Mass an eigenständiger, künstlerischer Ausstrahlung zeigten. Einig ist man auch in der Einschätzung, dass einzelne Produktionen noch mehr Profil hätten entwickeln können. Festgehalten wird ebenfalls, dass Produktionen wie „Patience Camp“, „EVIL – Das Böse“ und „Rockplastics“ als sehr professionelle, eigenwillige und eindrückliche Theaterarbeiten der Plattform gut angestanden sind.
4.4 Fazit: Das Coaching der Gruppen im Vorfeld und bei der konkreten Arbeit an den Produktionen kann für TREIBSTOFF 09 noch gezielter und effektiver geplant und betrieben werden.
4.5 Die Kommunikation mit den Gruppen war effektiv (via Telefonate, Mails und Newsletter > fünf an der Zahl).
Auch bezüglich Proben resp. Probenräume klappten die Zuordnungen und Belegungen. In diesem Zusammenhang sei die unkomplizierte Zusammenarbeit mit Frau Kupferschmid bezüglich Proberaum Liestal erwähnt und verdankt.
5. Die Spielplanstruktur
Der Spielplanstruktur mit nur einer Vorstellung pro Tag (und einem Freitag zwischen der Premiere und der 2. Vorstellung) hat sich bewährt. So war auch eine für das Publikum sinnvolle Berichterstattung garantiert.
Der Startpunkt zum frühen Ende August/Anfang September Termin hat sich ebenfalls als richtig erwiesen. Die Programmgruppe ist nämlich überzeugt, dass nur mit diesem frühen Beginn (trotz dem regelmässig schönen Wetter!) die Exklusivität des Theatersaisonstarts genutzt werden kann. Zudem – und das ist der wichtigere Aspekt – können nur so vor Ort, d. h. in den drei Theatern, eine effiziente Vorbereitungszeit, adäquate Produktionsbedingungen und Probemöglichkeiten-/Räume garantiert werden.
6. Treffen / gegenseitige Besuche
Ein Treffen aller Beteiligten und Gruppen im Rahmen von TREIBSTOFF 07 wurde im Vorfeld in Form einer Welcome-Grill-Party realisiert; die Beteiligung war rege – trotz misslicher Wetterverhältnisse.
Die gegenseitigen Besuche der Vorstellungen durch die Mitglieder der auftretenden Gruppen war sehr erfreulich.
7. Nachhaltigkeit
Eine wesentliche Absicht und Zielsetzung von TREIBSTOFF ist es, Nachhaltigkeit zu erzielen und zu erzeugen. In diesem Sinne und unter diesem Aspekt können hier diesbezügliche Erfolge aufgelistet werden:
a) In Folge von TREIBSTOFF 04:
– Die Kaserne Basel zeigte die Produktion „Kopie“ (Regie Dominique Müller) in einer Wiederaufnahme im April 2005; zudem war das Stück in der engeren Auswahl für das Festival „Politik im freien Theater“/ Nov. 2005 in Berlin.
– Unter dem Namen „TLÖN“ etabliert sich jetzt die junge Formation um Dominique Müller in Basel und hat am 3. und 11. März 2006 in der Kaserne Basel ihre neue Produktion „Verunsicherung“ uraufgeführt.
– Die Produktion „Zweilagig“ (Regie Norina Nobashari) wurde in den Saisons 2004/05 und 2005/06 im Theater an der Winkelwiese in Zürich und im Casinotheater Winterthur gezeigt.
– Hannah Steffen zeigte im Okt./Nov. 2005 im Theater Roxy „Kinder der Nacht“ nach Jean Cocteau; dies als Folgeproduktion ihrer Regiearbeit bei „Bevor ich die Welt rette, muss ich noch ...“
– „Charlotte sagt: fliegen“ (von Tine Rahel Völcker, Regie Tatjana Mischke), das in einer inszenierten Lesung gezeigt wurde, hatte im Oktober 2005 am Stadttheater Mannheim seine Uraufführung.
b) In Folge von TREIBSTOFF 05
– „Verschwörung Kubelka“ (von Philine Velhagen und Barbara te Kock) wurde vom 22.9. bis 30.9.2005 in München im „Pathos Transporttheater“ gezeigt.
– Sarah-Maria Bürgin zeigte „smoke fish“ vom 28. September bis 2. Oktober 2005 im „tojo“ in Bern sowie vom 19. bis 22. Oktober 2005 im Theater an der Winkelwiese in Zürich – das sind als respektable Auswertung total 12 Vorstellungen!
– Zudem zeigte Sarah-Maria Bürgin „smoke fish“ nochmals am 19. und 20. Mai 2006 im Theater Roxy.
c) In Folge von TREIBSTOFF 07
– Im „tojo Theater“, Bern: 26., 28. und Sa 29. September 2007: „Jumbo Royal“ Theater-Performance von Paraform & Queens of Evil
– Ein Projekt von „Rockplastics“ in „Politik im Freien Fall“ in Köln
– Weitere Folgeprojekte (neue Produktionen / Konstellationen und Formationen, weitergehende Gastspiele) sind hier und anderswo vorgesehen und/oder möglicherweise in Planung.
8. Behörden
8.1 Der Kontakt und die Zusammenarbeit „bei Bedarf“ via Sitzungen, Newsletter, Telefonaten und Mails mit den Behörden, insbesondere mit Niggi Ullrich/ „kulturelles BL“, hat gut und den Vorgaben entsprechend funktioniert.
8.2 Die Beteiligung und Mitarbeit von Heidi Fischer als Delegierte des FA Theater und Tanz hat sich in Bezug auf Transparenz wiederum als günstig erwiesen. Heidi Fischer war an allen Sitzungen anwesend.
Die Programmgruppe wünscht sich allerdings eine noch intensivere Begleitung der Mitglieder des FA Theater und Tanz BS/BL durch vermehrte Besuche der einzelnen Vorstellungen.
9. Öffentlichkeitsarbeit / Medien
9.1 Die Zusammenarbeit mit den Medien gestaltete sich sehr positiv: Sowohl die Basler Zeitung als auch und vor allem die Basellandschaftliche Zeitung garantierten eine sinnvolle, zusammenhängende Betreuung und Berichterstattung, was eine inhaltlich kompetente Begleitung mit Grundsatzberichten und Kritiken aller sieben Uraufführungen und der Raum-Installation zur Folge hatte.
Ein Medienspiegel mit den 18 erschienenen Vorberichten/Hinweisen und den 20 Berichterstattungen, der allen Involvierten zugestellt wird, liegt vor.
9.2 Leider ist es auch bei TREIBSTOFF 07 nicht gelungen, die Berichterstattung der überregionalen Medien (ganze Regio, übrige Schweiz) zu intensivieren; einzig die Badische Zeitung und die Zeitschrift Musik & Theater (mit einem ausführlichen Artikel) haben berichtet. Für die Ausgabe 09 soll diese überregionale Berichterstattung verstärkt angestrebt werden.
10. Werbung: Postkarte / Plakate / Programmheft
Die getroffenen Werbemassnahmen werden allgemein als witzig und sehr speziell eingestuft.
Eine Erhöhung des Plakataushangs in der Stadt wurde realisiert, ebenso eine Steigerung des Inseratevolumens bei der Basler Zeitung und der Basellandschaftlichen Zeitung.
11. Publikum
11.1 Das Interesse des Fachpublikums war vorhanden; eine Steigerung der Besucherzahlen gegenüber 2005 ist spürbar. Die ca. 1350 Besucherinnen und Besucher (das sind durchschnittlich über 70 bei insgesamt 19 Vorstellungen/ Veranstaltungen, eingeschlossen die Rauminstallation) haben Sinn und Zweck und vor allem den Bedarf der Plattform „TREIBSTOFF“ bestätigt. Anzumerken ist dabei, dass die Zuschauerkapazitäten an der Freiburgerstrasse 36 und im raum33 beschränkt waren resp. sind.
11.2 Die intensivierte Einladung an (Theater-)Fachleute hat sich ausgewirkt, besuchten doch etliche dieser Fachleute aus der übrigen Schweiz TREIBSTOFF 07. Das ist besonders wichtig im Hinblick auf mögliche weitere Engagements der an TREIBSTOFF 07 engagierten Gruppen.
12. Sponsoring
Der Zuspruch der Sponsoren war wohlwollend, grosszügig und unkompliziert – ihre Betreuung dementsprechend unaufwändig. Die Programmgruppe wünschte sich das Interesse und Engagement der Geldgeberinnen und -geber allerdings auch in vermehrten Besuchen der Aufführungen und entspre-chenden Rückmeldungen an die Programmgruppe.
Die Nicht-Unterstützung durch die Pro Helvetia wurde in einem Treffen mit den verantwortlichen Per-sonen thematisiert.
13. Rechnung / Bilanz
13.1 Das Budget ist eingehalten worden. TREIBSTOFF 07 weist Ende des Jahres eine ausgeglichene Bilanz aus und macht eine Reserve für den Ausgabenbedarf im Überbrückungsjahr 2008 und eine kleine Rückstellung für die Ausgabe 09 möglich.
13.2 Die Billetteeinnahmen erfolgten in der erwünschten Höhe. Die budgetierten Einnahmen wurden annähernd erreicht; in der Kaserne und im Raum 33 können diese für die nächste Ausgabe noch ge-steigert werden; im raum33 erlaubt die räumlich bedingte niedere Platzzahl allerdings kaum höhere Einnahmen.
14. Dankeschön
14.1 Die Verantwortlichen von TREIBSTOFF 07 bedanken sich beim Fachausschuss Theater & Tanz BS/BL, bei den Sponsoren GGG Basel, beim MIGROS-Kulturprozent, bei der Ernst Göhner Stiftung Zug und bei Novartis. Ohne deren finanzielle und ideelle Unterstützung wäre TREIBSTOFF 07 nicht über die Bühnen der Kaserne Basel, des Theaters ROXY und von raum33 gegangen.
14.2 Ebenso bedankt sich die Programmgruppe bei den Medienleuten für die geleistete Öffentlich-keitsarbeit.
14.3 Die Programmgruppe bedankt sich gleichfalls bei allen guten Geistern hinter den Bühnen und in der Administration der drei Spielstätten für ihren unentbehrlichen Einsatz. Namentlich erwähnt seien die Techniker Pavel Dagorov und seine Crew in der Kaserne, Marco Gianini im Theater Roxy und Jens Seiler im raum33.
14.4 Bewusst zuletzt und sehr herzlich bedanken sich Christoph Meury, Urs Schaub, Barbara Riecke, Monika Neun, Lukas Holliger und Fredy Heller bei allen Involvierten auf, vor und hinter den Bühnen der bei TREIBSTOFF 07 aufgetretenen Gruppen für ihr Engagement und ihre Begeisterung, ihre Ideen und künstlerischen Intentionen.
Namens der Programmgruppe: Christoph Meury und Fredy Heller
Birsfelden/ Basel, den 10. Nov. 2007