Voranzeige zu Treibstoff 05
Denn das ist die initiative Idee: nicht einfach noch ein Bouquet fertiger Produktionen zu bieten, sondern konkret und gezielt freies Theaterschaffen zu ermöglichen.
Bericht zu „Waiting for Rod“
Was aber sichtbar wird: das Spiel mit Imitation und Schein, mit Parodie und Einfühlung. Demonstriert wird der Unterschied zwischen Gross und Klein, gewöhnlich und ungewöhnlich, auch in den Passagen aus Stewart-Interviews, die eingespielt oder nachgesprochen werden; und es geht um Identität und Ichgefühl, das sex, body und/oder voice garantieren, wir kapieren das alles schnell und sind froh um die Beiläufigkeit, mit der die drei Spieler ihr Material anrichten.
Bericht zu „Lebst du noch oder denkst du schon?“ und „Verschwörung Kubelka“
Eine Doppelpremiere in der Kaserne tritt den Beweis an, dass es im „Treibstoff“-Theaterlabor beachtlich rumort.
Durchdacht schleusen Marie Enzler und David Hohmann die Zuschauer in ihre Adaption von Pieter De Buyssers Shortstory „Nachtsonne“ ein. Die Regisseuin und der Bühnenbildner haben ihre Ästhetik an den Münchner Kammerspielen gefunden, dazu mit Fatma Genc und Martin Butzke zwei Schauspieler mit Potenzial.
Die Regie ist stichhaltig, das Stück kühn geschichtet wie das Kartonbühnenbild: postdramatisches Lehrbuchtheater.
Hinter so viel Stringenz muss die offene Form von „Verschwörung Kubelka“ im Rossstall verblassen. Dabei ist die Idee aus dem Leben gegriffen. Die Schauspielerin Susanne Kubelka – sie steht leibhaftig mit auf der Bühne – fällt auf einen falschen Hollywood-Agenten herein. Er verspricht ihr Glamour, prompt behaupten alle fünf Darsteller, Susanne Kubelka zu sein. Atemlos gibt sie sich, die Impro-Inszenierung. Doch sie ist oft ein Quäntchen zu zappelig. Immerhin: Mit der Illusion, jeder sei ein Star, räumt sie gründlich auf.
Bericht zu „Smoke Fish“
Sarah-Maria Bürgin hat diese Geschichte subtil inszeniert. Getragen wird der Abend von zwei ausgezeichneten jungen Schauspielern. Kenneth Huber ist ein in sich gekehrter Pekka, der wenig von sich preisgibt. Patricias Nocons Nova gibt sich zu Beginn betont patzig. Hinter ihrer spröden abwehrenden Haltung ahnen wir aber Gefühlswärme; in ihren Augen blitzen immer wieder Schalk und Spielfreude.
Ergänzt wird die Liebesgeschichte zwischen Nova und Pekka durch akustische Fragmente anderer Beziehungen, Fetzen in vielerlei Sprachen aus Radiotalks und Telefongesprächen. Häufiger sind gegen Ende des Stücks die Summtöne, Zeichen einer Kommunikation, die nicht mehr stattfindet.
Nicht alle Produktionen der diesjährigen Auflage von „Treibstoff“ sind wirklich gelungen. Doch das Risiko ist Bestandteil dieser Theatertage und macht einen Teil des Reizes aus. Dass dabei Abende wie dieser entstehen, zeigt, dass sich das Abenteuer allemal lohnt.
Bericht zu „Smoke Fish“
Ein geglücktes Finale hat den Vorteil, dass es Glanz aufs Ganze wirft. So gesehen, konnte den „Treibstoff“-Lieferanten kaum Besseres widerfahren als Sarah-Maria Bürgins „Smoke Fish“ im Roxy.
„Smoke Fish“ ist von Jon-Fosse-Ästhetik nicht weit entfernt; trockene Schale, zerbrechlicher Kern. Die Wahl-Baslerin Bürgin serviert gemeinsam mit der Autorin Stefanie Grob und ihrer „formation poe:son“ eine Inszenierung wie Dosenbier mit Orangenschnitzen. Herb, aber saftig. Und in jeder Beziehung stimmig durchdacht. Dass Sarah-Maria Bürgin ihre Arbeit von Basel aus fortsetzen will, lässt auf weitere grüne Zweige in der verdorrten freien Theaterszene der Stadt hoffen. Bitte nicht ausreissen!